Von Minsk nach Below

Messianische Juden zu Gast in Karchow 

Erst im Januar waren wir in ihrer Gemeinde zu Gast. Ich konnte dort predigen und Grüße überbringen. Nun kamen sie zu uns. Sie waren schon mehrere Tage unterwegs – Juden aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Genauer gesagt: Messianische Juden, also Juden, die an Jesus als Messias glauben, wie auch wir Christen es tun. Sie gehören in Minsk zu einer Gemeinde, zu der die Christliche Freizeit- und Bildungsstätte Karchow seit ca. 20 Jahren partnerschaftliche Kontakte pflegt. Die 14 Weißrussen befanden sich auf der Rückreise von einer Informations- und Versöhnungstour in die Niederlande. Dort besuchten sie u.a. das Anne-Frank-Museum in Amsterdam. Dieses Haus erinnert an das jüdische Mädchen Anne Frank, das im März 1945 im KZ Bergen-Belsen umgebracht wurde. Bekannt wurde das Schicksal dieses Kindes durch ihr Buch „Das Tagebuch der Anne Frank“. Auf dem Rückweg nach Minsk legten unsere weißrussischen Freunde einen Zwischenstopp ein und übernachteten - wie auf der Hinreise - im Freizeitheim in Karchow. Da der folgende Tag, der 27. Januar, der Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz war, bot sich ein Besuch der Todesmarsch-Gedenkstätte im Belower Wald zwischen Röbel und Wittstock an. Die Zeugnisse dort hinterließen einen tiefen Eindruck auf die Gäste. Fotos und Berichte auf den Schautafeln sowie die Erklärungen zu den Einritzungen in den Bäumen sind Hinweise auf unsägliches Leid. Für 6 Tage lagen im April 1945 16.000 Evakuierte aus dem KZ Sachsenhausen ohne Unterkunft und Essen hier im Wald. Viele verhungerten. Andere wurden von der SS erschossen. Bei unserer Gästegruppe spielte sich eine bewegende Szene ab: Sie standen am Schluss zusammen und Pastor Vladimir betete für die Deutschen und für sie selbst.

Hartmut Zopf, Karchow

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