Stetiges lernen (Oase Neubrandenburg)

Gemeinde im Plattenbau - ein spannendes Unterfangen. Seit 2006 sind Missionare der Liebenzeller Mission im Neubrandenburger Plattenbaugebiet unterwegs. Mit Kindernachmittagen, die nur spärlich besucht wurden, fing es an. Der Traum war eine Gemeinde in diesem Viertel zu gründen, in dem 4500 Personen auf einem recht kleinen Gebiet wohnen. Viele Menschen sind nach wie vor mit starken sozialen Problemen konfrontiert. Gerade in den ersten Jahren gab es zahlreiche Rückschläge zu verkraften. Heute sind wir dem Traum von Gemeinde im Plattenbau näher als je zuvor. Die Oase ist ein lebendiges Netzwerk von verschiedenen Menschen. Die meisten kommen tatsächlich direkt aus der Nachbarschaft. Wenn die Oase geöffnet ist für den Kindernachmittag oder das Oase-Frühstück, herrscht ein fröhliches Gewusel aus Eltern, Kindern und alten Menschen. Wir erleben, wie gerade über das letzte Jahr Beziehungen zu Müttern entstanden sind. Wir wussten schon immer von ihnen; ihre Kinder kamen schon vor vielen Jahren zu uns. Schon lange sind wir irgendwie in ihrem Umfeld gewesen, doch haben sie immer Abstand gehalten. Einen nächsten entscheidenden Schritt sind sie gegangen, indem sie den Oase-Vorplatz - ein attraktiver Spielplatz - für sich entdeckt haben. Das war im letzten Sommer. Jetzt sind Beziehungen entstanden. Während ihre älteren Teeny-Kinder zu anderer Zeit bei uns zu Gast sind, nehmen sie selbst zusammen mit ihren kleinen Kindern Teil an den Kinder-Angeboten. Frauen, die ihren Kindern immer klar gesagt haben, dass es Gott für sie nicht gibt, lassen für sich beten oder probieren es selbst aus, still allein zu Hause, wenn sie verzweifelt sind. Gerade versuchen wir für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Gruppen Glaubenskurse auszurichten, damit sie Gott immer besser kennenlernen. Manche Entwicklung lässt länger auf sich warten, als wir es gerne vorweisen würden, aber Gott verpflichtet uns im Viertel zu Geduld. Inmitten der geistlichen und sozialen Not dürfen wir ein großes Team sein, das sich gegenseitig ergänzt und motiviert. So durften wir im Februar unsere neuen missionarischen Mitarbeiter Jonathan und Melanie Nill in der Stadt begrüßen. Jonathan ist Theologe und wird in unserem Team zukünftig das pastorale Arbeitsfeld im Blick haben. Ergänzung und Motivation brauchen wir jeden Tag. So sehr wir auch erkennen, dass Gott uns hilft und die Oase über das gewöhnliche Maß versorgt hat, merken wir doch, dass wir jeden Tag herausgefordert sind, Jesus im Detail nachzufolgen. Die richtigen Worte und den richtigen Ton für das Evangelium finden. Empfindsam sein für die Not von Menschen, die uns mit ihrer Art einfach auch auf die Nerven gehen. Für Ordnung sorgen, wenn Streit ausbricht. Trösten, wenn Beziehungen zerbrechen. Versuchen mit Teens Kontakt aufzubauen, die wie gefangen sind in ihrer Clique. Als Leiter muss ich hin und wieder Pläne und Ziele aufschreiben. Jahresplan, 3-Jahresplan, 10-Jahresplan... Nichts gestaltet sich schwieriger, wenn man merkt, dass Gott zwar wirkt und er uns tatsächlich beruft, aber man nicht klar absehen kann, wann und wie es einmal sein wird. Wir sind ein gesegnetes Team. Wir erleben wie uns Gott mit Vision, Mitarbeitern und Finanzen ausstattet. Gott will etwas tun inmitten dieser zum Himmel schreienden geistlichen und sozialen Not unseres Reitbahnviertels, in dem wir immer wieder Rückschläge zu beklagen haben. In diesen vielen spannenden Situationen erleben wir uns als Team mit der gleichen Bedürftigkeit wie unsere Adressaten. Im Viertel sind wir wohl zuallererst die Lernenden.

Aaron Köpke, Sozialarbeiter & Projektleiter, Neubrandenburg

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