Frieden auf Erden

Ende Mai haben wir uns das erste Mal getroffen. „Wir“, das sind ein paar hochmotivierte Weihnachtsfans aus der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Ludwigslust, die sich vorgenommen haben, auch in diesem Jahr ein Weihnachtsmusical in Ludwigslust aufzuführen. An diesem besagten Tag im Mai, es war heiß und schon recht sommerlich draußen, begannen wir, unser Abenteuer zu planen. Wir suchten ein Musical aus, teilten die Aufgaben unter uns auf, erstellten Zeitpläne, nach denen wir die Dinge erledigen wollten… . Während um mich herum das Obst reifte, die Kinder im See badeten und die Sonne sommerlich glühte, gingen mir immer wieder Gedanken rund um das Weihnachtsmusical durch den Kopf. Und dann war es endlich so weit: Herbstferien. In dieser Zeit starteten wir mit fünf aufeinanderfolgenden Probevormittagen. Wir lernten uns kennen. „Uns“, das sind 24 Kinder im Alter von sechs bis sechzehn Jahren. Es entstanden schnell neue Freundschaften. So meinte Anne: „Man kann sich kennenlernen und neue Freunde finden.“ Wir lernten die Lieder und Texte kennen, verteilten Rollen und wetteiferten darum, wer seinen Text als erster konnte. Und tatsächlich hatten die ersten hochmotivierten Weihnachtsmusical-Darsteller die Lieder und Texte am Ende der Ferien drauf. Sarah sagte dazu: „Ich finde toll, dass viele ihre Rollen schon können“. Nach den Herbstferien trafen wir uns immer samstags zum Proben und gemeinsamen Mittagessen. Mit viel Bewegung, Fröhlichkeit und Spannung gingen wir stets neu an die Arbeit. So konnten wir die Lieder gestalten, an der Intonation arbeiten, den Ausdruck perfektionieren und immer tiefer in den Inhalt unserer Geschichte eintauchen: „Friede auf Erden“. Ein Stück „Friede auf Erden“ war in unseren Proben allgegenwärtig. Wir legten viel Wert darauf, dass die Kinder sich mit ihren ganz speziellen Ideen einbringen können. Wir versuchten einige davon umzusetzen. Und so wurde aus der ursprünglichen Fassung des Musicals schließlich ein ganz eigenes Gruppenergebnis. Die Teilnehmer schätzten die Wertschätzung, die wir ihnen entgegenbrachten. Maja sagte: „Ich find toll, dass alle zusammenhalten und alle Spaß dran haben.“ und auch Anne fand toll, „dass man so viel arbeitet und dann nicht ausgelacht wird, wenn ein Fehler passiert ist.“ Nach den Proben haben wir zusammen Mittag gegessen. Hier war Zeit, um die Freundschaften zu vertiefen und mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Am Samstag vor dem ersten Advent waren wir schon so weit und konnten Lieder des Musicals auf dem Barocken Adventsmarkt vortragen. Eine wesentliche Probe bestand in dem Auftritt in einem Seniorenheim unserer Stadt. Dann war der große Tag gekommen: Am Heiligabend in der Christvesper sah ich sie vor mir: 48 Strahlende Augen, 24 hochmotivierte und an Selbstbewusstsein gewachsene Kinder. In der Stiftskirche saßen ca. 300 hörbar erfreute, begeisterte, betroffene, beeindruckte, berührte Eltern, Großeltern und Gäste. „Unsere“ Sänger und Schauspieler hatten sogar so viel Selbstbewusstsein erlangt, dass die Angst vor „Fehlern“ an diesem Abend in echte Freude am Musizieren und Schauspielern verwandelt war. Das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht und ist für mich das schönste Weihnachtsgeschenk.                               

Katrin Neumann (Diplom-Musikpädagogin) Ludwigslust

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