Ein Segeltörn mit geistlichem Tiefgang

Foto: Olaf Hacker
Foto: Olaf Hacker

Das war doch mal was! Sechs Tage mit einem Segelkutter, dem Missionskutter Elida, auf der Ostsee. Besatzung: 12 Männer und 1 Skipper auf einem Krabbenkutter, Baujahr 1941. 13 Christen im Alter von 25 bis über 70 Jahre, aus verschiedenen Gemeinden (Baptisten, Elim, Landeskirche und Gemeinschaft aus Mecklenburg, Vorpommern, Brandenburg und Berlin). Wir kamen aus unterschiedlichen Lebensverhältnissen: Arbeitnehmer, Selbständige, Hartz-IV-Empfänger, Rentner sowie Aussteiger aus dem Arbeitsleben. Los ging es in Kiel auf die Ostsee bis nach Dänemark und zurück. Die Elida ist ein schon alt gewordener Segelkutter, der sehr gepflegt und auch sehr gemütlich ist.
Was war für mich das Neue und Interessante auf diesem Schiff? Der Skipper sagte in seiner ersten Ansprache zu uns, das Wichtigste an Bord seien wir Männer - wir sollten uns die Vornamen der Männer gut einprägen -, und an zweiter Stelle stehe der Kutter. Ist es nicht bei Gott auch so? Wir stehen bei ihm immer an erster Stelle. Weiter sagte er, unser Schutzraum an Bord gehe bis zur Reling, außerhalb dieser lauere Gefahr. Das hat mit Grenzen unseres Lebens zu tun, die wir beachten sollten. Der Skipper war natürlich der Chef. Er forderte uns auf, gleich von Anfang an dieses Schiff zu erkunden. Denn es gäbe immer wieder Situationen, in denen wir wissen sollten, wo was liege oder verstaut sei. Das hat mit der Sicherheit auf See zu tun. So erforschten wir neugierig alle Winkel des Schiffes. Dabei war es erwünscht, Fragen zu stellen. Wir sollten bei Kommandos nicht nach unserer Vermutung gehen, was gemeint sein könnte, sondern nachfragen, um genau zu wissen was, wo und wie etwas zu tun ist. 

Foto: Olaf Hacker
Foto: Olaf Hacker

Diese Aussage ging mir noch lange durch den Kopf in Bezug auf unseren Glauben. Das Hinhören und Verstehen ist doch für uns so wichtig. Der Skipper machte uns immer wieder deutlich, dass er uns an Bord brauche, dass er alles im Blick haben müsse, und dass er sich auf uns verlasse, im Besonderen beim An- und Ablegen im Hafen und beim Segelsetzen und Segeleinholen. Ein wunderbares Erlebnis war das Kennenlernen und die Gemeinschaft der Besatzung. Martin, der Skipper, hat mich immer wieder überrascht mit seinen Gedanken zur Tageslosung, die er uns inhaltlich lebensnah darstellen konnte. An einer Stelle sagte er, dass er nicht für das Heil aller Menschen verantwortlich sei, aber für die Menschen, denen er in seinem Leben begegne. Vormittags hatten wir immer einen geistlichen Austausch in Form von Vorträgen oder Bibelarbeiten. Da merkte man auch manches Mal, dass Glauben sehr unterschiedlich verstanden und gelebt wird. Wir hatten viel Zeit, uns über unser Leben auszutauschen, über Familie, Beruf, Gemeinde und Hobbys. Wir hatten viel Sonnenschein und blauen Himmel. Die kräftigen Winde fehlten uns aber. Somit konnten wir nicht nur unter gesetzten Segeln fahren.
 Alles in allem waren es richtige Männertage an Bord. Es war eng, erlebnisreich, hellhörig, schmackhaft und ermutigend. Ein solches Erlebnis kann ich nur jedem weiterempfehlen. Die Elida grüßt den Ostseeraum bei gesetztem Großsegel mit Johannes 3,16.

Olaf Hacker, Schwerin

Foto: Olaf Hacker - Missionskutter Elida
Foto: Olaf Hacker - Missionskutter Elida