Gottes Wort – antiquiert oder aktuell?  Bibeltage in Waren

Dieser Frage nachzugehen, hat sich in unserem Fall allemal gelohnt. Warum? Wir waren so mutig, in unserer Gemeinschaft in Waren wieder einmal Bibeltage zu planen. Diese haben wir dann auch vom 02.06. bis zum 05.06. durchgeführt. Um es gleich vorneweg zu sagen: nicht nur meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Frank Feldhusen, Prediger in Neustrelitz, hat in vier Einheiten zurückhaltend und souverän äußerst interessante Themen behandelt und sie mit biblischen Aussagen übereinander gelegt. So hatten wir an drei Abenden und dem abschließenden Sonntagvormittag Gelegenheit, wieder einmal ganz neu über Fragen des alltäglichen Lebens und des Glaubens nachzudenken. Klar, dass dabei zuweilen auch unbequeme Tatsachen zur Sprache kamen, die auch mein persönliches Verhalten und meine Sichtweisen an vielen Stellen in Frage stellten. Für den ersten Abend stand das Thema „Engel in Christentum und Esoterik“ auf dem Programm. Ja, wer kennt sie nicht, die kleinen und größeren Engelchen in allen möglichen Schattierungen. Mit lieben, süßlichen Gesichtern und goldenen Haaren halten sie schon mal als Beschützer oder Glücksbringer her. Das eigentlich Erschreckende ist, dass der Drang nach Sicherheit und Geborgenheit in Zeiten zunehmender Ungewissheit seltsame „Blüten“ treibt. Übersinnliches, Magie, esoterisches Gedankengut vermischen sich, zunächst unmerklich, aber immer mehr mit dem christlichen Glauben.

Und das scheint kaum jemanden wirklich zu stören. Man kann sich seinen Glauben nach eigenem Belieben zurechtbasteln. Genügend Kramkisten gibt es dafür allemal. Während Frank Feldhusen zum ersten Thema den biblischen Zusammenhang mit verschiedenen Textstellen herstellte, lagen den nun folgenden Einheiten Auszüge der Joseph-Geschichte aus dem ersten Mosebuch zugrunde. Mit 1. Mose 39 ging es am zweiten Abend um „Gehorsam, der etwas kostet“. Welch eine tolle Verlockung für den Sklaven Joseph, als ihm die Frau eines obersten Staatsbediensteten aus dem Hause des Pharao mehr als nur Komplimente machte. Äußerst pikant! Eine schöne Frau, ein schöner Mann, noch dazu mit reichlich Ansehen; da kann man schon schwach werden. Genau das wurde Joseph nicht. Er ließ sich nicht auf solche Eskapaden ein. Es kam, wie es kommen musste. Abweisung gebiert Rachegefühle, die Frau saß am längeren Hebel. Und dann hieß es für Joseph: ab in den Knast. „Schönen Dank auch, Gott, dass mir mein Gehorsam diese Lage hier eingebrockt hat.“ Wir wissen nicht, ob er so oder ähnlich gedacht haben mag.

Tatsächlich mutet Gott auch uns hin und wieder solche Wege und Situationen zu, denen wir keineswegs etwas Positives abgewinnen können. Und doch: Das unpopuläre Wort Gehorsam, gerade Gott gegenüber, ist dringender nötig denn je. Es „lohnt“ sich in jedem Fall. Das wurde in den folgenden Themen sehr deutlich. Einheit Drei behandelte den „Umgang mit Enttäuschungen“. Joseph hatte in seinem Gefängnis zwei ehemaligen, in Ungnade gefallenen Staatsbediensteten des Pharao die Träume gedeutet, welche ihnen Unruhe machten (1. Mose 40). So wie er sie auslegte, ist es letzten Endes eingetroffen. Josephs Bitte an den begnadigten Mundschenk, ein gutes Wort für ihn beim Pharao einzulegen, war schnell vergessen. Resultat: Joseph durfte zwei weitere Jahre hinter Schloss und Riegel bleiben. „Klasse, das hat auch wieder nicht hingehauen“, mag man denken. Auch hier erfahren wir nicht, was für Emotionen er dabei hatte. Doch ohne sein Vertrauen auf Gott hätte er sicherlich resigniert. Davon ist nicht die Rede, wohl aber über seine Sonderstellung, die er auch im Gefängnis hatte. Das wurde am Sonntagvormittag noch abgerundet. „Gott schafft einen Ausweg“ war das letzte Unterthema. Wir haben uns damit anhand von 1. Mose 41 auseinandergesetzt.

Gott schreibt auf krummen Wegen gerade. Ja, das sind Sprüche, die sind nicht so einfach zu glauben, wenn man sie durchbuchstabieren muss. Dass Joseph letzten Endes zum zweitmächtigsten Mann in Ägypten wurde, hat vor dem Hintergrund des Werdegangs noch einmal einen besonderen Stellenwert. Wir kennen die Geschichte vielleicht schon sehr lange. Auch ich habe sie immer wieder gerne gelesen. Wir sind in der glücklichen Lage, diese Begebenheit in der Rückschau zu sehen. Für Joseph war das ein langer und schwerer Weg, der ihn schließlich auf seine große Aufgabe vorbereitet hat. Ein Happy End? Das kann man sehr unterschiedlich sehen. Joseph konnte zu seinen Lebzeiten erfahren, dass alles, was er durchmachte, Gottes großem Ziel diente. Auch wir dürfen und müssen davon ausgehen, dass Gott mit uns und unseren Wegen an sein Ziel kommt. An uns liegt es, dass wir uns darauf einlassen. Wir werden nicht in allen Fällen erleben, dass wir zu unseren Lebzeiten alle Dinge, auch im Nachgang, verstehen. Wohl aber zieht Gott hier und da den Vorhang ein kleines Stück beiseite, um uns Ermutigung auf unseren Wegstrecken zu geben. Eines aber ist schon zu unseren Lebzeiten ganz sicher: Gott hält uns fest, unabhängig davon, was wir fühlen. Ich könnte noch viel mehr dazu schreiben, doch das würde den Rahmen endgültig sprengen. Unsere Bibeltage waren wirklich gut besucht, auch von Leuten, die wir sonst eher selten sehen. Die Gespräche waren sehr intensiv, und eigentlich war die Zeit insgesamt viel zu kurz. Fazit: unser Herr segnet reichlich, wenn wir uns mit seinem Wort beschäftigen und wenn wir IHN zu Wort kommen lassen. Vielen Dank nochmals an Frank Feldhusen für die guten und tiefgängigen Bibelarbeiten.

Ingolf Kühn, Waren

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