Warum ich zum "Marsch für das Leben" gehe...

...und warum ich andere ermutige, daran teilzunehmen?


Seit 10 Jahren findet der „Marsch für das Leben“ in Berlin statt, eine Veranstaltung vom „Bundesverband Lebensrecht e.V.“ Ich selbst war zum achten Mal dabei. Der Marsch für das Leben, der jährlich am vorletzten Samstag im September stattfindet, steht immer unter dem Motto: „Ja zum Leben – für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie!“ Jeder Mensch ist gleich wertvoll, unabhängig von Eigenschaften und Umständen. Das Programm ist klar strukturiert: Um 13 Uhr Treffpunkt zur Kundgebung am Bundeskanzleramt, dann ein vier km langer Schweigemarsch durch die Stadt, der von der Polizei abgesichert wird - vor allem gegen eine Gruppe von meist jungen Menschen, die den Marsch lautstark grölend und teils gewaltbereit zu stören versucht. Zum Abschluss gibt es einen ökumenischen Gottesdienst. Auf dem Marsch tragen wir 1000 weiße Kreuze und Transparente, die unser uneingeschränktes „Ja zum Leben“ für jeden Menschen und für jede Phase des Lebens zum Ausdruck bringen. Vor 10 Jahren konnten die knapp 1000 Teilnehmer den Gottesdienst noch in der St.-Hedwigs-Kathedrale feiern. In letztem Jahr gab es bei strahlendem Sonnenschein für die 5.000 Teilnehmer einen Open-Air-Gottesdienst vor dem Berliner Dom.

Zum Nachdenken:

1. Der Marsch ist ein Bekenntnis zum Lebensrecht für alle Menschen. Er erinnert daran, das uns das Lebensrecht nicht von demokratischen Parteien, sondern von Gott persönlich zugesprochen und garantiert wurde. Unsere Forderung: Es muss auch vom Staat garantiert und geschützt werden. Gegenwärtig schützt der Staat jeden, der dieses Recht verbal oder tätlich infrage stellt, aber er unterlässt den Schutz für die Menschen, die existenziell auf seinen Schutz angewiesen sind. Das ist ein Skandal, und darum sagt der Veranstalter: „Niemand kann sagen: „Wir haben von nichts gewusst.“ Wir fordern Politik und Gesellschaft auf, das schreiende Unrecht der Abtreibung zu beenden, Tötung durch Selektion zu verhindern und das erneute Aufkommen der Euthanasie zu stoppen.“


2. Dass die verfasste Kirche ihrer Verantwortung an dieser Stelle nicht gerecht wird, das kann man ihr vorwerfen, es zu erwarten allerdings ist leider realitätsfremd.


3. Es ist klar und es wird bei diesem Marsch deutlich, dass wir eine kleine Gruppe sind – so paradox es klingt – die für das Leben ihre Stimme erhebt und für diejenigen, die keine Stimme haben. Dass wir allerdings so wenige sind, erschüttert mich jedes Mal.


4. Wenn die „Gläubigen“ nicht aufwachen und die „Stillen im Lande“ sich nicht zu diesem „Schweigemarsch“ aufmachen, von wem wollen wir es dann erwarten? Viele denken: Es müsste doch mal von der EKD oder von einem Bischof ein deutliches Wort zu hören sein. Ich glaube: Wir alle haben eine Stimme, die wir – mindestens an diesem Tag einmal im Jahr erheben können. Ich bin dem Bundesverband dankbar, dass er uns die Gelegenheit dazu gibt.


5. Gott sei Dank gibt es die „Ökumene“. Der Marsch bietet die hervorragende Gelegenheit für ein wunderbares und sichtbares gemeinsames Glaubenszeugnis, sowohl mit Katholiken als auch mit vielen evangelischen Freikirchen. Hier wird Allianz und Ökumene konkret und praktisch. Das sollten wir nutzen.


6. Manche Teilnehmer sind kurz nach Mitternacht per Bus in Stuttgart aufgebrochen, um mittags in Berlin zu sein, in diesem Jahr kamen allein aus Bielefeld fünf Busse angereist. Abfahrt 6 Uhr. Vermisst habe ich Schwestern und Brüder aus den Gemeinschaften im Norden (einige waren glücklicherweise dabei), und traurig macht es mich, dass es immer noch (und regelmäßig wieder) in unseren Gemeinschaftsverbänden Parallelveranstaltungen gibt, obwohl seit Jahren dieser Termin bekannt ist. Liebe Schwestern und Brüder, ich glaube, wir machen uns schuldig, wenn wir das so ignorant handhaben. Ich sage das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern aus tiefer Sorge. So wichtig einzelne Termine sein mögen – über einen Zeitraum von zehn Jahren kann man das anders planen! Und wenn wir das nicht tun, dann machen wir deutlich, dass uns ein solches Bekenntnis für das Leben und als Stachel für das Gewissen unserer Gesellschaft nichts (!!!) wert ist. Dann sollten wir uns aber bitte auch nicht aufregen, wenn im nächsten Jahr der begleitete Suizid als aktive Sterbehilfe in Deutschland zum Gesetz gemacht wird, und wir dürfen nicht allein die Politiker dafür verantwortlich machen.


7. Es gibt immer persönliche Gründe, die eine Teilnahme an dem Marsch unmöglich machen. Das können körperliche oder sicher auch mal terminliche Gründe sein. Die sind natürlich zu respektieren. Dass wir aber andere Veranstaltungen für wichtiger halten, das ist erbärmlich und aus meiner Sicht nicht zu verantworten. Der diesjährige Marsch war in ARD und ZDF nicht einmal eine klitzekleine Meldung wert. (Eine Menschenkette mit dreißigtausend Mülltüten hat den Platz ins Heute Journal gefunden!) Wenn wir von Politik und Gesellschaft gehört werden wollen, dann müssten wir nicht 5.000, sondern 50.000 Teilnehmer sein. Und das geht nur, wenn jeder einzelne von uns sagt: Es kommt auf mich an!


8. Wem das wichtig ist, der schreibt sich jetzt in seinen Terminkalender den nächsten Marsch für das Leben ein: Samstag, 19. September 2015. Und er streicht jede Veranstaltung, die in der Heimatgemeinde oder im Verband an diesem Tag läuft.


9. Ich rufe die Gemeinschaftsverbände auf, dass sie zu diesem Tag einladen und ermutigen, denn dieser Marsch ist kein Spaß und keine Privatsache. Und: Wer soll dahin fahren, wenn nicht wir?!


10. Wem das zu emotional oder zu engagiert erscheint, den frage ich: Hast du eine bessere Idee, wie wir als Christen unsere Stimme erheben können? Oder hast du dich vielleicht selbst schon so sehr daran gewöhnt, dass die Politiker nicht wissen, wie die Probleme für die Altersversorgung zu lösen sind und zugleich mit unseren Krankenversicherungsbeiträgen mehr als hunderttausendfach jährlich die Tötung ungeborenen Lebens finanzieren?

Ich rufe alle auf: Plant diesen Termin fest ein! Ich würde mich freuen, wenn im diesem Jahr wenigstens von 8.000 Teilnehmern die Rede wäre. Und ich freue mich jedenfalls und jedes Mal auf viele gute Begegnungen beim Marsch für das Leben in Berlin.


Pastor Markus Holmer, Lübtheen

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Kommentare: 4
  • #1

    Trefz, Siegfried 71672Marbach (Donnerstag, 20 August 2015 10:14)

    Im Hinblick auf unsere Vergangenheit (Ermordung vieler Menschen im Nationalsozialismus) haben wir Christen die Pflicht uns für das Lebensrecht eines jeden Menschen (auch ungeborenes Leben) einzusetzen. Ich Befürworte den Marsch für das Leben ausdrücklich.

  • #2

    Immanuel (Freitag, 28 August 2015 02:33)

    Widerspruch zu Punkt 1:
    Ihre Gottesvorstellung von der Lebensentstehung muss in unserem säkularen Staat NICHT geschützt werden. Deutschland ist (hoffentlich) kein Gottesstaat! Religion ist Privatsache!

    Widerspruch zu den anderen Punkten:
    Für mich besteht ein sehr großer Unterschied zwischen einem bloßen, undifferenzierten Zellhaufen ohne jegliche Strukturen und Empfindungen und einem schützenswerten Leben.
    Außerdem ignorieren Sie in Ihrer wunderschönen, aber realitätsfernen Theorie all die praktischen Probleme (prekäre Familienverhältnisse; leidende, da ungeliebte Kinder; Jugendlichen-Schwangerschaften; Vergewaltigungsopfer; überforderte Schwangere; suizidgefährdete Schwangere; Todesraten von Schwangeren in Gesellschaften mit Abtreibungsverboten etc.), nur um Ihre reine religiöse Lehre auch den anderen, nicht religiösen Menschen aufzuoktroyieren . Ihre erbarmungslos radikale Theorie ist lebensfremd und nicht ohne Schaden für die Gesellschaft umsetzbar!
    Ihr Fanatismus ist gnadenlos kaltherzig!

    Ich nehme auch teil - an der Gegen-Demonstration - gegen religiösen Fundamentalismus!

    P.S.
    Ihr religiöser Fanatismus heißt in letzter Konsequenz, dass mit denselben Argumenten auch das ungezeugte Leben geschützt werden müsse und keine Ei- oder Samenzelle (= potenzielles Leben) ungenutzt vergeudet werden dürfe. Also Sexgebot! Sex ist zwar schön, aber ich bestimme selber über meinen Sex.

  • #3

    Manfred Mohr (Mittwoch, 09 September 2015 22:16)

    Lieber Immanuel,
    wissenschaftlich ist es unumstritten, dass nach der Vereinigung einer männlichen Samenzelle mit einem Weiblichen Ei zu keinem Zeitpunkt von einem undifferenzierten Zellhaufen die Rede sein kann. Das Leben ist ein Geschenk und jedes einzelne Kind ist ein Geschöpf, vom Schöpfer geschaffen. Kein Mensch hat das Recht Leben zu zerstören bzw. zu töten. Die praktischen Probleme die Sie ansprechen sind schlimm und werden von uns nicht ignoriert. Allen Menschen gilt die Liebe Gottes es ist unsere Aufgabe solchen, die in Not geraten sind mit Liebe zu begegnen und Ihnen konkrete praktische Hilfe anzubieten. Die Probleme, die sie ansprechen werden nicht mit "Mord - Abtreibung" gelöst sondern durch Liebe und Verständnis, Opferbereitschaft und Barmherzigkeit. Was Sie als religiöse Lehre bezeichnen kann Menschen nicht aufgezwungen werden. Leben im Glauben an den Gott der Liebe bedeutet diese Liebe weiterzugeben an die, die an der Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit unserer Welt und unserer Gesellschaft leiden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat kennenlernen.

  • #4

    Veronika Hansberg (Mittwoch, 26 Oktober 2016 23:23)

    Die "verfasste Kirche" ist Bruder Holmer aber gut genug für seine monatliche Allimentierung.