Endlich EINWEIHUNG in Parchim!

"…und jetzt freue ich mich auf wunderbare Stunden mit Ihnen, liebe Festgäste, in denen wir viele, viele unterhaltsame und lustige Grußworte erleben werden!" Als ich diesen Satz mit einem leichten Unterton von Ironie sagte, ahnte ich nicht ansatzweise, was mich erwartet. Spritzig-launige Grüße, wie der von Inspektor Thomas Hohnecker aus dem VG Schleswig-Holstein, reichten sich die Hand mit den heiter-besinnlichen Worten, die unser MGV-Inspektor Hartmut Stropahl vom "Bau des Tempels" zu sagen wusste. Eine launige Einstimmung von Karin Strenz MdB, die die Bauvorgänge punktuell unterstützt hatte eröffnete die allgemeine Grußwortrunde, Parchims Bürgermeister schloss sich an. Es folgten viele herzliche Beiträge. Gundula Wiede bewegte die Herzen mit ihrem offenen Zeugnis; wir spürten, wie schwer manche der Veränderungen gewesen ist, die unsere zeitgemäße Gemeindearbeit mit sich brachte – aber sie legte keinerlei Schwerpunkt auf die Klage, sondern auf das große Lob unseres Gottes: "Er ist der Gott, der uns durch Tiefen trägt. Er ist der Gott, der immer wieder ein geistliches Zuhause schenkt, nun schon seit einigen Jahren in Seniorenkreis und Bibelstunde. Das genieße ich sehr!"      

Auch Dr. Christian Taut aus der Gemeinschaft, Frederike Schmidt und Manuela Stasiak von den jungen Erwachsenen und Karoline und Laura aus dem Jugendkreis berichteten, wie sie Gemeinschaft erleben und erlebten. Bei viel Musik der LICHTWERK-Band und Liedvorträgen von Sängerin und Schauspielerin Anne-Cathrin Märzke aus Berlin, die vor über zehn Jahren den ersten Jugendhauskreis mit begonnen hatte, vergingen fast zweieinhalb Stunden erstaunlich schnell. Als Jörg Stahn (Vorsitzender LKG Schwerin), Prediger Gabriel Möbius (Ludwigslust) und unser Architekt Andreas Geigle aus Doberan den Reigen abschlossen, war manches Tränchen gekullert.

Bereits am Freitagabend hatten Judy Bailey und ihr Mann Patrick Depuhl vor ausverkauftem Haus einen stimmungsvollen Auftakt geliefert. Ihr Programm "Lifesong" war eine Mischung aus Lesebeiträgen ihrer Biographie und viel guter Musik. Ob Patrick nun Ziegen und Schafe von Barbados und Deutschland verglich (was tatsächlich sehr schwierig ist!) oder Judy vom Tod ihres geliebten Vaters berichtete, es blieb kein Auge trocken. Und die Zuhörer ahnten, wie wir viel zu oft die schönen und außergewöhnlichen Dinge des Lebens als selbstverständlich hinnehmen und leider nur an uns vorbeiziehen lassen.

Judy Bailey und ihr Mann Patrick Depuhl
Judy Bailey und ihr Mann Patrick Depuhl

Auch der folgende Samstag bot Emotionen und Freude, vor allem aber viel Abwechslung. Als "Tag der offenen Tür" war er gefüllt mit den unterschiedlichsten Aktionen, Bildern und Spielen, durch welche unsere Gemeinschaft sich und ihr neues Haus vorstellte. Beim Ehemaligentreffen derer, die in den vergangenen zehn Jahren hier ihr Freiwilliges Soziales Jahr oder Zivildienst/Bundesfreiwilligendienst geleistet haben, wurden Segensspuren deutlich. Heute sind "die Ehemaligen" im Studium oder bereits im Beruf als Lehrer, Sozialarbeiter, Missionare und Prediger/Pastoren – nur unser Tobi Geiger als Mathematiker! Und nun? Zurücklehnen und wohlfühlen? Ja auch, denn das brauchen wir alle: Genießen, entspannt zuhause sein im Gemeinschaftshaus. Aber dann gibt es ja noch "das Eigentliche". Davon haben wir im sonntäglichen Abschlussgottesdienst gehört. Es ist mir fast ein bisschen schwergefallen, die friedliche Gesellschaft damit wachzurütteln. Aber die Welt ist nun mal nicht überall friedlich. Und Hoffnungslosigkeit regiert auch unsere Stadt. Gott sagt: "Wenn du satt geworden bist und gegessen und getrunken hast, und wenn du Häuser gebaut hast, dann vergiß nicht, den Herrn, deinen Gott zu loben." Wenn Gott uns so wachrüttelt, dann ist das konkret gemeint. Dann will er, dass wir hingehen sollen zu den Menschen im Leid, hingehen zu denen im Elend. Gott möchte, dass wir aktive Hoffnungsträger sind. Und darum ist unser Haus in Parchim auch nicht unser Haus, sondern sein Haus – und damit das Haus der offenen Türen, auch wenn nicht "Tag der offenen Tür" ist. Die Türen sind aber nicht nur offen, damit andere hineingehen, sondern damit wir rausgehen! Wir gehen zu ihnen, damit sie Gott kennenlernen. Und wir nehmen sie gern mit in unser Haus. Etwas empfangen, es genießen und es weitergeben – das ist der Dreischritt, der sich durch die ganze Bibel zieht.

Wir sind Gott unendlich dankbar für diesen Auftrag, diese Zusage, diese Liebe. Und wir sind unendlich dankbar für das neu eingeweihte Gemeindezentrum.

Oliver Ahlfeld

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